Anfang Juni habe ich mit einigen Anwohnern des Dahlienwegs die Verkehrsführung im Ortseingangsbereich an der Firmenicher Str. (L61, Ecke Ülpenich/Dürscheven) gegenüber unserem Feuerwehrgerätehaus erörtert.
Bekanntermaßen hat es dort in jüngster Zeit ein paar amtlich dokumentierte Unfälle und eine noch viel größere Anzahl nicht gemeldeter Unfälle bzw. Beinahe-Zusammenstöße im Bereich der Verkehrsinsel gegeben.
Die Ausganslage dürfte jedem Ortskundigen aus eigener Erfahrung soweit bekannt sein:
- von der Ringstraße aus Ülpenich kommend (nach rechts in den Ort einfahrend) gilt es die Vorfahrt der Verkehrsteilnehmer auf der L61 zu achten
- die Einsicht (mit Blickrichtung zum Ort) ist durch die Kurvenlage sehr eingeschränkt
- durch die Insel unmittelbar hinter dem Ortseingangsschild ist besondere Rücksicht erforderlich, um den vorfahrtberechtigten Verkehr aus dem Ort heraus nicht in die Quere zu kommen
- der von Dürscheven in den Ort einfahrende Verkehr missachtet nicht selten die Vorfahrtberechtigung des aus dem Ort ausfahrenden Verkehrs, was auf Grund der Inselschikane in Verbindung mit unangepasster Geschwindigkeit in guter Regelmäßigkeit zu "Konfliktsituationen" an der Engstelle führt.
Der letztgenannte Punkt stellt aus Sicht der Anwohner das eigentliche Hauptproblem dar.
Nun kann man rücksichtslosen Autofahrern zwar nur bedingt ins Gewissen reden, aber die Installation einer mechanischen Bodenschwelle für den ortseinfahrenden Verkehr würde zumindest das Tempo rausnehmen und die Einhaltung der geltenden Vorfahrsregeln aktiv unterstützen und so (mit bescheidenem Material- bzw. Personalaufwand!) zur Steigerung der Verkehrssicherheit beitragen:
Wenn man eh schon (zwangssweise) abbremsen muss, dann kann man auch ordnungsgemäß anhalten und den vorfahrtberechtigten Verkehr aus dem Ort ausfahren lassen!
So jedenfalls war nach Abwägung aller Vor- und Nachteile unsere praktische Überlegung, die dazu geführt hat, dass ich beim städtischen Ordnungsamt einen Antrag auf Prüfung und Umsetzung eingereicht habe (zuständig ist die Kreisverwaltung).
Ich selbst bin mittlerweile fast 25 Jahre im öffentlichen Dienst unterwegs und kenne den deutschen Bürokratie-Wahnsinn in wirklich allen Facetten und Stilblüten, die ablehnende Antwort der Straßenverkehrsbehörde beim Kreis Euskirchen von Ende Juli ist aber ein trauriger Beleg dafür, wie laut der Amtsschimmel hierzulande wiehern kann!
Die ablehnende Begründung, die von der Bewertung her leider bloß die Allgemeinsituation ins Auge nimmt, statt die konkreten Bedingungen vor Ort näher zu berücksichtigen, ist in sich nicht nur widersprüchlich, sondern auch geprägt von unweltideologischen - und insofern eher sachfremden - Aspekten.
..ich habe tatsächlich zweimal in der Sígnatur nachgeschaut, ob das Antwortschreiben wirklich vom Straßenverkehrsamt oder vielleicht doch von der Unteren Naturschutzbehörde verfasst wurde!
Der langen Rede kurzer Sinn:
Der bürgerschaftliche Antrag wurde nicht zuletzt abgelehnt, weil Bodenschwellen "...eine unstetige Fahrweise hervorrufen, die sich in zusätzlichen Brems- und Beschleunigungsmanövern bemerkbar macht. Hierdurch kann eine erhöhte Belastung durch Abgase und Lärm entstehen.".
Anmerkung meinerseits:
Das zusätzliche Abbremsen zur Geschwindigkeitsreduktikon ist der gewünschte Primäreffekt der beabsichtigten Maßnahme und keine ungewollte Begleiterscheinung!
Die Kreisverwaltung attestiert mit der vorstehenden Feststellung ausdrücklich die Geeignetheit des avisierten Vorhabens in Hinblick auf die Steigerung der Verkehrssicherheit im Ortseingangsbereich. Wenn dann in der behördlichen Abwägung (vollkommen unsubstantiiert!) pauschal "Belastungen durch Abgase" in den Raum gestellt werden, um ein vernünftiges Anliegen mit Scheinargumenten kaputt zu reden, muss ich mit der ernüchternden Quintessenz schließen: wer etwas will, der findet Wege... wer etwas nicht will, der findet Gründe!
Liebe Enzener,
es tut mir wirklich leid, dass mein Enganement an dieser Stelle erfolglos geblieben ist und ich nicht weiterhelfen konnte.
Sehen wir es positiv:
Die Steigerung der Verkehrssicherheit haben wir zwar nicht erreicht, dafür aber eindrucksvoll zur Klimarettung beigetragen, indem wir den einfahrenden Verkehr in den Ort auch zukünftig ungebremst passieren lassen!
Der Amtsschimmel mag uns besiegt haben, aber wir ziehen mit reinem Herzen und gutem Gewissen aus dieser Schlacht.
Fernab der Ironie wünsche ich Ihnen/euch allzeit eine unfallfreie Fahrt
und verbleibe mit besten Grüßen,
Sascha Scharmach
PS:
Vielleicht reiche ich das Ablehnungsschreiben des Kreises Euskirchen mal an den niederländischen Botschafter weiter... unsere Nachbarn haben (gefühlt) vor, mitten und hinter jedem einzelnen Kuhdorf Bodenschwellen installiert, um die Geschwindigkeit mechanisch zu regulieren. Das ist eine Umweltbelastung, die wir den Niederländern in unserer Paraderolle als #Vorreiter_der_Weltklima-Rettung und #moralische_Instanz_in_Europa nicht unkommentiert durchgehen lassen sollten!?


